Dramen im Englischunterricht

Dramen im Englischunterricht – Warum die Lektüre allein nicht reicht

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Dramen – ein beliebtes Genre

Dramen haben einen festen Platz im Unterricht und werden aufgrund ihrer dialogischen Form und ihres oft eher geringen Umfangs gern eingesetzt. Das unmittelbare Handeln der Figuren im Hier und Jetzt unterstützt zudem das Verständnis. Daher liegt es nahe, dramatische Texte handelnd und szenisch im Unterricht zu erschließen. Die Unterrichtspraxis spiegelt dies allerdings weniger wider. Wir möchten Ihnen daher Anregungen geben, wie Sie einen Theatertext im Unterricht zum Leben erwecken und Ihre Schüler/innen dabei begeistert mitmachen.

Dramen lesen vs. aufführen

Dramentexte in der Welt des Theaters sind Blaupausen und dienen als Ausgangspunkt für das eigentliche Ergebnis: die Vorführung. Alle am Theater Beteiligten interpretieren den Dramentext, betrachten ihn als Entwurf und lassen daraus das finale Kunstprodukt entstehen.

Dramentexte werden im Unterricht dagegen oft wie narrative Texte betrachtet. Der Fokus liegt auf dramatischen Gestaltungsmitteln, Figurenanalyse und literarischen Analyseaspekten. Inhaltlich dienen Dramentexte zur Vermittlung lehrplanrelevanter Themen oder soziokultureller Kenntnisse über ein Zielsprachenland. Die Tatsache, dass Dramen nicht zum Lesen geschrieben worden sind, wird dabei kaum berücksichtigt. Hier ist der Unterschied grafisch dargestellt, was es bedeutet, ein Drama zu lesen und ein Drama aufzuführen.

Übersicht über Dramen lesen und aufführen

Der Unterricht muss nicht die Theaterwelt abbilden, aber das Wesen eines dramatischen Textes kann und sollte im Unterricht eine Rolle spielen. Die praktische Umsetzung einzelner Szenen – einfach und ohne großen Aufwand – kann Schüler/innen das Stück wesentlich näher bringen als die Analyse dramatischer Gestaltungsmittel. Zudem sorgen szenische Umsetzungen für Spaß und Spielfreude und fördern intensive mündliche Kommunikation für ALLE!

Damit werden wir nicht nur dem Genre Drama gerecht(er), sondern schaffen Zugänge für Lernende zu dramatischen Texten, die über rationale Verfahren kaum möglich sind:

  • ihre individuelle Sicht in den Mittelpunkt zu stellen. Wie interpretiere ICH eine Szene?
  • in den Text handelnd einzusteigen. Wie verhalte ich mich in einer Szene?
  • besonders wichtig: Emotionen anzusprechen Wie geht es mir mit einer Figur/in einer Szene?

 

Das sind Voraussetzungen, damit echtes Interesse an Literatur entsteht. Wir möchten damit keineswegs dafür plädieren, textanalytische Methoden wegzulassen. Vielmehr geht es darum, ein Drama neben der Textanalyse immer auch als Skript zu betrachten und szenische, visuelle oder akustische Verfahren einzusetzen.

Praktische Unterrichtsbeispiele

Es folgen zwei Beispiele für den Einsatz von handlungsorientierten und szenischen Methoden mit Dramentexten. Die Beispiele stammen aus dem Unterrichtsmaterial zum Drama „The Trials“ von Dawn King, lassen sich jedoch einfach auf andere Dramen übertragen

Mit scenic reading den Text ausprobieren

Mit szenischem Lesen können Schüler/innen einen dramatischen Text besser verstehen sowie die Wirkung einer Inszenierung erkennen und selbst erleben. Hier stehen die bewusste Gestaltung der Stimme und ihre Wirkung (Intonation, Lautstärke, Tempo) im Mittelpunkt. Darüber hinaus können Körperhaltung, Gestik, Mimik sowie Bewegungen im Raum einbezogen werden. Lernende zeigen dabei ihr individuelles Textverständnis durch die Art und Weise, wie sie die Äußerungen von Figuren gestalten und umsetzen.

Es können passende Szenen vorgegeben werden, die sich nach Länge und inhaltlichem Anspruch an der Leistungsstärke der Lerngruppe orientieren. Alternativ wählt die Klasse eine Szene gemeinsam aus oder die S arbeiten in Gruppen und entscheiden sich für eine eigene Szene.

Einleitend reflektieren die S den Beitrag von Schauspielern und Schauspielerinnen bei einer Inszenierung und lernen dabei zentrale inszenatorische Mittel kennen.

Trials_UE_8_Scenic reading_Actor_Actress
The Trials_UE8_Scenic reading_Aufgabe 1

Die S erarbeiten zunächst jede/r für sich die ausgewählte Szene aus dem Drama und machen sich Notizen für die akustische und visuelle Umsetzung neben jeder Textzeile, s. Beispiel unten. Dabei handelt es sich um eine inhaltlich wichtige sowie sprachlich anspruchsvolle Aufgabe. Sie interpretieren jede Aussage und entscheiden sich für passende Gestaltungsmittel. Ihre Beschreibungen müssen sie präzise formulieren und geeignete Redemittel für Emotionen, Gestik, Mimik, Körperhaltung oder Bewegungen der Figuren auswählen.

Trials_UE_8_Scenic reading_Nebentext
The Trials_UE8_Scenic reading_Aufgabe 3

Mit einem Bühnenbild den Text interpretieren

Die Gestaltung eines Bühnenbildes fordert die Schüler/innen auf, sich intensiv mit der Handlung, dem Schauplatz und der Atmosphäre eines Stückes auseinanderzusetzen und ermöglicht ihnen gleichzeitig, ihre Interpretation vom Text oder einer Szene zu visualisieren. Sie haben bei der gestalterischen Umsetzung grundsätzlich freie Hand, müssen jedoch die Hinweise der Autor/innen im Text berücksichtigen und ihr Design begründen können.

Als Erstes beschreiben sie Bühnenbilder von Aufführungen des Stückes, das gerade gelesen wird. Sollten keine Bilder bereitgestellt werden können, eignen sich auch Bühnenbilder anderer Dramen.

In Gruppen beantworten sie Fragen zu den Bühnenbildern in Bezug zum Text und tauschen sich danach darüber aus:

  • Compare the design to the stage directions in the text.
  • Consider what the stage designer’s intention might have been.
  • Reflect on the effect the stage has on you.
Trials_UE_5_Setting the stage_Bühnenbilder
The Trials_UE5_Setting the stage_Aufgabe 2

Die Lernenden arbeiten dann zu zweit als Regisseur/in und Bühnenbildner/in des Dramas und entwerfen ihr eigenes Bühnenbild. Mithilfe von Fragen zu Aufbau, Atmosphäre, Stil, Farben und Licht entwickeln sie ihre Vorstellungen über ihr Bühnenbild stets in Bezug zum  Inhalt des Dramas und den Bühnenanweisungen im Text

Die gestalterische Umsetzung kann analog oder digital erfolgen. Gleichzeitig ist es eine passende Gelegenheit, eine Bild-KI einzusetzen, um den Umgang mit KI zu trainieren und Lernende, die gestalterisch zurückhaltend sind, zu unterstützen. Aus den Vorüberlegungen zu ihrem Bühnenbild erstellen die S einen passenden Prompt. Wenn noch keine Kenntnisse zur Prompterstellung vorhanden sind, sollten diese hier vermittelt und der Prompt gemeinsam erarbeitet werden, s. Beispiel.
Im Anschluss überprüfen die S ihre generierten Bilder kritisch und passen bei Fehlern den Prompt an oder geben ihn erneut ein.

Trials_UE_5_Setting the stage_2_Prompt
The Trials_Setting the stage_AB 5.2_Aufgabe 3

Die Bühnenbilder können per Beamer gezeigt oder ausgehängt werden. Ein (virtueller) gallery walk kann sich anschließen, bei dem die Schüler/inne ihre Ergebnisse vorstellen und sich gegenseitig Feedback geben. Die Bühnendesigns werden sehr unterschiedlich ausfallen, was eine hervorragende Gelegenheit für authentische und engagierte Anschlusskommunikation bieten wird. Ein Ranking der Bühnenbilder mit Abstimmung kann den Reiz der Aufgabe erhöhen.

Unterrichtsbeispiele erläutert

Diese zwei Beispielen und weitere kreative und motiverende Methoden für Dramenunterricht stellen wir anhand des Dramas „The Trials“ von Dawn King am 16.09.2026 um 17 Uhr vor. Weitere Informationen s. u.

Fazit

Ein Drama ist mehr als ein Text, den man liest und analysiert. Es ist ein Text, der auf die Bühne will. Das bedeutet nicht, dass wir im Unterricht aus unseren Schüler/innen Schauspieler/innen machen müssen. Aber wir können ihnen immer wieder die Möglichkeit geben, einen dramatischen Text auszuprobieren, ihn mit Stimme, Körper, Raum und Bild zum Leben zu erwecken und dabei ganz neue Seiten des Textes zu entdecken.Lesen und Aufführen sind also keine Gegensätze – beides kann sich im Dramenunterricht wunderbar ergänzen.

Webinar
The Trials – Wer trägt die Verantwortung für die Klimakrise?

Termin: Mittwoch, 16.09.2026
Zeit: 17.00–18.00 Uhr

Inhalt
Das kurze Theaterstück greift zentrale gesellschaftliche Themen auf:
· menschliches Handeln und seine Folgen für die Umwelt
· Rechtsprechung, Schuld und Gerechtigkeit
· jugendliche Gruppendynamik und Entscheidungsfindung
· Fragen der Identität und individuellen Verantwortung

Sie erhalten
· einen kompakten Einblick in Handlung, Figuren und zentrale Themen des Stücks
· praxisnahe und kreative Unterrichtsideen für den Umgang mit dem Theaterstück
· Anregungen zur kommunikativen und sprachlichen Kompetenzentwicklung
· Impulse für den sinnvollen Einsatz digitaler Medien

👉 Mehr Informationen und Anmeldung

Cover vom Theaterstück The Trials von Dawn King

Weitere Anregungen

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